Inklusion als eigenständiges Forschungsgebiet
Ein wesentlicher Grund dafür, dass im Bereich Inklusion noch zu wenig geforscht wird, liegt in der traditionellen Trennung von Fachdisziplinen wie Pflege, Medizin, Sozialwissenschaften und Technik. Inklusion ist jedoch ein Querschnittsthema, das genau diese Bereiche miteinander verbinden müsste, was Forschungsprozesse komplexer und schwerer koordinierbar macht. Hinzu kommt, dass die positiven Effekte von Inklusion – wie mehr Selbstbestimmung, geringere Pflegebedarfe oder langfristige Kosteneinsparungen – häufig erst mittel- bis langfristig sichtbar werden und sich nur schwer direkt messen lassen.
Auch beim Testen und beim Einsatz neuer Technologien sind interdisziplinäre Strukturen unerlässlich, um Risiken zu minimieren, Kosten für das Gesamtsystem zu vermeiden und potenzielle Effizienzgewinne frühzeitig zu erkennen. Kommt es beispielsweise durch ein Medizinprodukt zu Schäden, müssen diese frühzeitig identifiziert werden, um Folgekosten für das Sozialsystem zu begrenzen. Umgekehrt ist es ebenso wichtig, Hilfsmittel, die nachweislich zur Kosteneinsparung beitragen, schnell zu erkennen und deren Einsatz gezielt in die Breite zu bringen. So stellt sich etwa die Frage, ob ein KI-gestützter Kochroboter dazu beitragen kann, Kosten im Sozialsystem zu senken, indem er die Selbstständigkeit von Menschen erhöht und Pflegebedarfe reduziert.
Dass der Einsatz neuer Technologien jedoch nicht automatisch zu Einsparungen führt, sondern auch mit Kostensteigerungen verbunden sein kann, zeige ich in meiner Kolumne „Die Odyssee mit meiner Beinprothese“.
Mehr Anstrengungen in Politik erforderlich
Ein weiterer Faktor ist die bislang unzureichende politische und gesellschaftliche Priorisierung des Themas, da kurzfristige Lösungen für akute Probleme – wie der Fachkräftemangel in der Pflege – häufig stärker im Fokus stehen. Zudem fehlt es teilweise an geeigneten Förderstrukturen und Anreizen, um innovative, interdisziplinäre Projekte gezielt voranzutreiben.
Insgesamt führt dies dazu, dass das große Potenzial von Inklusion zur Bewältigung zentraler Zukunftsprobleme wie dem demografischen Wandel und der Pflegekrise bislang nicht ausreichend von der Politik ausgeschöpft wird.
Insgesamt sind im Bereich der Inklusion deutlich mehr Forschung und größere politische Anstrengungen erforderlich, um einen effektiven Beitrag zur Lösung unserer zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen zu leisten.“